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Im Booklet von Stahlhammers neuestem Album wird einmal ganz explizit den Nachbarn gedankt, die 24 Stunden „lauten, bösen, arschtretenden Metalkrach“ über sich ergehen lassen. Naja, demnach werden sie wohl in letzter Zeit hauptsächlich „Stahlmania“ zu hören gekriegt haben, denn das inzwischen vierte Album der Wiener schockt leider erstmal mit einer furchtbar dünnen Produktion, die so drucklos aus den Boxen kommt, dass man die Toleranz der Nachbarn durchaus verstehen kann. Diesen Kritikpunkt wird man sich dann auch wohl oder übel gefallen lassen müssen, denn das ist keine Frage von persönlichem Geschmack, sondern ein Faktum.

Über die Musik selbst – und um die geht es ja letztendlich – sagt das natürlich noch rein gar nichts aus. „Stahlmania“ bietet dem geneigten Hörer eine bunte Tüte Neuer Deutscher Härte, die auch nach mehrmaligem Verzehr leider noch einen faden Beigeschmack hinterlässt. Und das liegt nicht selten am Gesang von Monsieur Wheeler, dessen Stimme zwar eine gewisse Bandbreite aufweist, aber in vielen Facetten einfach nur penetrant klingt und im Großen und Ganzen viel zu effektüberladen ist („Das Salz auf Deiner Haut“, „Lady Josephine“). Und auch textlich wird die Grenze zur Peinlichkeit leider einige Male weit überschritten („Ich“, „Das unentdeckte Land“). Hinzu kommt außerdem noch, dass einige Songs auch nach intensivem Hören ohne größere Wirkung an einem vorbeiziehen, Songs die zwar gar nicht mal schlecht sind, denen aber einfach das gewisse Etwas fehlt („Compact“, „Stahlmania“, „Angst“).

Doch es gibt nicht nur negatives zu „Stahlmania“ zu erwähnen. Stahlhammer schaffen es immer wieder, in die, im positiven Sinne, simplen Riffs ein paar interessante Spielereien einzubauen, so dass die Songs teilweise auf einem interessanten Grad zwischen Originalität und Beklopttheit wandeln („Der ewige Augenblick“, Dein Held sein“). Stücke wie der Opener „Keine Tränen sehen“, „Ich habe Dich geliebt“ oder die beiden äußerst gelungenen Cover „Out Of The Dark“ und „Merci Cherie“ zeigen dann zum Glück, dass Stahlhammer auch ganz unverkrampfte, gute Musik spielen können und ich behaupte mal ganz kühn, dass ein Großteil der Songs live, aufgrund der einladenden Mitgröhlrefrains, ziemlich gut funktionieren wird.

Das vierte Album der Wiener ist nicht schlecht, aber auch nicht wirklich gut. Wer jedoch Freude an den neueren Werken von Joachim Witt hat und Bands wie Rammstein oder Megaherz gegenüber zumindest aufgeschlossen ist, kann bei „Stahlmania“ durchaus mal ein Ohr riskieren.

Bewertung: 4.5