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Neben seiner Arbeit als Hitler Darsteller arbeitete Bruno Ganz auch noch als Sänger und produzierte auch den Soundtrack zum aktuellen Film. Auf diesem ungewohnten Terrain hatte er professionelle Unterstützung von Megaherz, Witt und Rammstein. Das Ganze kommt jetzt als "Stahlhammer" unter selbigen. Und mitbieten werden viele schwarzgekleidete, deren Trauerkleidung nach der Beerdigung von Falco noch im Schrank hängt. Böse Zeitgenossen werden dieses Opus genauso vehement diskutieren, wie den Film.

Ein brachiales Werk, welches ohne Atempause von markerschütterndem Riffing beherscht wird. Die Stimme immer wütend und zügellos, kein Moment der Ruhe, kein Moment der Rast immer die verzweifelte Wut nach außen brüllt. Die abgedrehten orchestralen und etwas ruhigeren Passagen wirken wie eine Verarschung des Hörers, der fortan in seiner Vernunft sitzend wie ein Ping Pong Ball von einem Ende zum anderen Ende der Gummizelle geschuppst wird. Die martialische Stimme kommt von mit Rhombusartigen Bart versehenen Stimmbändern. Die Provokation schlägt dir entgegen und durchlöchert dich wie Maschinengewehrkugeln mit einer Gewalt, welche dich gelähmt und mit runzelnder Stirn im Rollstuhl der Welt zurücklässt.

Natürlich, ich hoffe ihr bemerktet die zeitgenössische Ironie, handelt es sich nicht um einen Soundtrack, sondern um das aktuelle Werk der seit '96 existierenden Band "Stahlhammer". Eine Band, welche der NDH frönt, gleichwohl deren Epigonen Rammstein in vielfältiger Weise zu Kinderkram degradiert. Alles scheint hier brachialer, ja monumentaler. Das rollende "R" wird hier noch rollender und ausgiebiger intoniert und existiert auch in Wörtern, wo dieser Konsonant gar nicht vorkommt. Selbst in ruhig-balladesken Stücken, wie "das unentdeckte Land" bleibt die bedrückende Atmosphäre. Für mich bleibt die Angst, dass derartige Musik in die falsche Hände gerät. Von vielen BILDenden Blättern wird sie zu den Schwachköpfen wohl hingetragen. Gleichwohl frage ich mich natürlich, was es auf sich hat mit dieser Art von Musik, klar sie fasziniert durch ihren Martialismus, der sich mit betörenden Refrains in die Gehörgänge bohrt. "Der zerbrochene Traum" könnte als perfekte Hymne für die verwirrenden Glatzköpfe am 20. April oder 21. Juni dienen. Es mag eine bewusste Provokation sein, aber ein fader Beigeschmack vergrämt mir mein Ohr mit dunklen Barthaaren. Im Übrigen ist Rammstein gegen Stahlhammer ein naiver Kindergarten. Ich verabschiede mich vom Schlachtfeld meiner gedanklichen Verwirrungen und lasse euch allein. Genießt es, hasst es oder geht zur Montagsdemo. www.stahlhammer.org (andreas)